Hilfe Schriftgroesse
Datenschutz
Impressum Kontakt

Startseite Andacht Über uns + Gottesdienst Gruppen Bilder

Suche:

«« zurück


Pfarrerin Amina Bruch-Cincar

Alles selbstgemacht

So tönte es stolz, wenn ich als Kind etwas zu schenken hatte: ein gemaltes Bild (Blumenstrauß in der Vase, der Klassiker), ein Nadelkissen in Herzform oder gar ein gehäkelter Topflappen. Die bewundernden Ah- und Ohrufe der gewogenen Verwandtschaft waren mir sicher und das Gefühl, dass ich es nicht besser hätte machen können.

Eben selbstgemacht. Das kommt von Herzen. Später gab mir das Selbermachen eine gewisse Unabhängigkeit. Barbiekleider häkeln, das machte Spaß und kostete nichts. Pullis stricken gab so mancher öden Unterrichtsstunde wenigstens den Sinn, ein paar Zentimeter weitergekommen zu sein.

Bretter konnte man zu Regalen nageln, die Jeans enger nähen, ein Rezept abwandeln, wenn eine Zutat nicht da war. Wir wussten uns zu helfen. Wart, das kriegen wir hin! Wie könnten wir das anstellen? Wer selber macht, spart Geld und fühlt sich nicht ausgeliefert. Der ärgert sich nicht nur über den tristen öffentlichen Raum, sondern bepflanzt die Baumscheibe neben dem Bürgersteig. Der kritisiert nicht die Zusammensetzung von Fertigessen oder Kosmetikprodukten, der kocht und mischt sich das eben selber. Da weiß man, was drinnen ist und hat auch Spaß bei der Herstellung. Wer sich Gedanken macht, was aus Stoffresten anzustellen ist und sich - sagen wir aus den Krawatten des verstorbenen Ehemanns eine farbenfrohe Weste genäht hat, ist mit Recht stolz darauf.

Diese Weste wird gewiss nicht in der Altkleidersammlung landen, selbst wenn sie einmal zu eng geworden sein sollte. Hier kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel. DIY (sprich: di ei wie), also „Do It Yourself“ so nennt sich eine Bewegung, die sich das Selbermachen auf die Fahnen geschrieben hat. Junge Leute entdecken die Lust am Basteln, Bauen, Nähen und Kochen, Imkern, Backen und Reparieren.

Sie tauschen sich im Netz aus, finden Plätze zum städtischen Gärtnern (Urban gardening) oder veranstalten Märkte (z.B. unser Koffermarkt). Das einst so miefige Strickkränzchen wird hip. Mir gefällt das. Diese Lust an der Geschicklichkeit der eigenen Hände hat uns Gott in die Wiege gelegt. Dieses Gefühl von tiefer Befriedigung, wenn wir etwas schön und ordentlich vollendet haben, das muss Gott gespürt haben, als er die Welt erschaffen hat. Nach seiner Vorstellung und mit einer geradezu wahnwitzigen Detailverliebtheit.

Schon immer schlossen Menschen von der Schöpfung auf den Schöpfer zurück. Sollte er nicht stolz sein? Sollte er nicht einen ganz besonderen Bezug haben zu seinen Geschöpfen? Würde er es zulassen, dass die Schöpfung vor die Hunde geht? – Wer sich auch nur kurz damit beschäftigt, wie raffiniert in der Natur eins ins andere greift und alles so kunstvoll zusammenhängt, der spürt die Liebe, die Fürsorge und die Leidenschaft, die Gott für das Werk seiner Hände hegt.

Eine weitere Welt hat er nicht in petto, wenn wir diese verbraucht haben. Ich wünsche Ihnen offene Augen für die Herrlichkeit der Schöpfung und gute Ideen, wie wir pfleglich mit ihr umgehen können.

Ihre Pfrn. Amina Bruch-Cincar 

15.02.19 « zurück