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Andacht

Liebe Leserinnen und Leser, 

haben Sie es gesehen, es ist hier gerade durchgehuscht und – hast du nicht gesehen – ist es schon weg.

Wovon ich rede? - Von diesem Jahr! Man meint, man hätte es verschlafen oder grad mal nicht hingeguckt und schon ist es fort. Im Januar stehe ich beim Neujahrsempfang für die Mitarbeiter regelmäßig vor der Aufgabe, das vergangene Jahr in der Gemeinde zu sichten und – o Wunder! – da tut sich die Fülle auf. Mensch, was nicht alles los war! Und im Privaten ist es doch auch so.

Da habe ich mich auf einen Urlaub gefreut und die Wochen gezählt und dann war er da. Da gab es Zeiten mit viel Arbeit, Zeiten des Bangens (wann geht der Umbau des Gemeindehauses endlich los?), da war ich mal erkältet, da erreichte mich die Nachricht, dass ein lieber Mensch schwer krank geworden ist. Da haben wir gefeiert, da Musik gemacht, da Verwandte besucht. Es ist, als blickte man in ein Kaleidoskop, bunte Farben, im Nachhinein ein wenig verklärt, ja warum denn nicht? Die Vergangenheit neigt dazu, nicht im geraden Takt der 24 Stunden / 7 Tage die Woche zu ticken. Sie verzerrt sich, bekommt Ausbuchtungen und schwarze Löcher.

Und so ist es schön, wenn man alte Freunde trifft und gemeinsam an dem Gespinst der Erinnerungen arbeitet, brüchig gewordene Stellen ausbessert und den Glanz der vergangenen Tage aufpoliert. Dieser Tage lese ich gerade ein Buch von Erich Kästner. Es heißt „Als ich ein kleiner Junge war“ und beginnt wie es sich gehört mit einem Vorwort.

Als ich das las, habe ich gleich an Sie gedacht und mir fest vorgenom men, Ihnen die Kästnersche Zeitrechnung nahezubringen: Es gibt zweierlei Zeit. Die eine kann man mit der Elle messen, mit der Bussole und dem Sextanten. Wie man Straßen und Grundstücke ausmisst. Unsere Erinnerung aber, die andere Zeitrechnung, hat mit Meter und Monat, mit Jahrzehnt und Hektar nichts zu schaffen. Alt ist, was man vergessen hat. Und das Unvergessliche war gestern. Der Maßstab ist nicht die Uhr, sondern der Wert. Vergesst das Unvergessliche nicht! Diesen Rat kann man, glaub ich, nicht früh genug geben.

Ja, liebe Leserinnen und Leser, das Unvergessliche war gestern. Diese Nummer des Gemeindebriefs beschäftigt sich mit Festen und Feiern. Ich meine: Wenn wir ein Fest vorbereiten, versuchen wir, der Vergesslichkeit ein Schnippchen zu schlagen. Wir machen Fotos, ja von meiner Oma fand ich nach fast hundert Jahren das Brautkränzchen.

Wir wollen einen Pflock einschlagen in den Zeitfluss, der einem ständig entgleitet. Etwas schaffen, woran man sich gerne erinnert. Ja, so als wäre es gestern gewesen.

Die kirchlichen Feste machen es ebenso. Erinnern an das Wertvolle. Etwa so: Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot… Oder dies: Es begab sich aber zu der Zeit… Oder: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden… Vergesst das Unvergessliche nicht! Feiert sie: die Werte in eurem Leben!

Einen frohen Rückblick und ein gesegnetes Neues Jahr wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Amina Bruch-Cincar

11.11.17 « zurück